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Nach dem Zusammenbruch am Ende des 1. Weltkrieges begann eine große Wende in der Entwicklung des deutschen Schulwesens. Der militärischen Abrüstung stellte man eine geistige Aufrüstung entgegen. Vor allem im ländlichen Raum begann eine Neuorientierung, indem man versuchte, durch kleine höhere Schulen die Begabungsreserven zu erfassen und ihnen die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg zu ermöglichen. Im Kreis Höxter gab es schon lange Jahre vor dem Kriege Rektoratschulen in Brakel und Steinheim. Jetzt versuchte man, ein engmaschigeres Netz von Schulen dieser Art aufzubauen. So entstanden um 1920 weitere Schulen in Beverungen, Nieheim und Peckelsheim. Auch Borgentreich gründete die ,,Höhere Stadtschule Borgentreich i. Westf.", welche allgemein als Rektoratschule bekannt wurde. Sie begann den Unterricht am 19.April 1920. Ehe wir uns mit ihr eingehender befassen, scheint es mir angebracht, ihre Vorgeschichte zu untersuchen: Schon in früheren Jahrzehnten waren Schüler aus Borgentreich zum Gymnasium nach Warburg gegangen, um dort die Reifeprüfung abzulegen. Meistens waren sie von einem Geistlichen Pastor oder Kaplan vorbereitet, um gleich in die Obertertia zu kommen. Besondere Verdienste um die Vorbereitung der Schüler für das Gymnasium erwarb sich der Kaplan Theodor Rehbaum aus Clarholz, der vom 23. Mai 1914 bis 02. September 1919 segensreich in Borgentreich wirkte. Er erteilte zunächst am Abend, später am Nachmittag seinen Unterricht. Am Vormittag besuchten die Schüler den Unterricht in der Volksschule und hatten somit die Hausaufgaben für beide Schulen zu erledigen. Der zusätzliche Unterricht beim Kaplan konzentrierte sich hauptsächlich auf die Fächer Latein, Griechisch, Französisch und Mathematik. Er war eine ganz private Einrichtung. Das Schulgeld wurde an den Kaplan bezahlt. Dieser erfolgreichen Einrichtung drohte mit dem Fortgang des Kaplans Rehbaum von Borgentreich am 2. September 1919 ein jähes Ende, weil sein Nachfolger, Kaplan Wilhelm Michels aus Großeneder. den Unterricht nicht weiterführte. Wer sollte den Unterricht fortsetzen? Eine Lösung bahnte sich an, als der Mittelschullehrer Fritz Hugenpoth aus Neheim-Hüsten sich bereit erklärte, den Unterricht zu übernehmen. Als Unterrichtsraum diente ein Zimmer im Hause Buhte neben der Apotheke in der Mühlenstraße. So war ein Provisorium, eine vorläufige Lösung. geschaffen. Im Laufe des Winters 1919/1 920 musste man nach einer Lösung Ausschau halten. Sie wurde gefunden. als der Rat der Stadt Borgentreich sich entschloss, mit dem Beginn des Schuljahres 1920/1921 die bereits erwähnte ,,Höhere Stadtschule Borgentreich i. Westf." einzurichten. Dabei sollte die bereits bestehende Klasse der ,,Kaplanschule" als Untertertia übernommen werden. Ein Schulgebäude war natürlich noch nicht vorhanden. Man half sich damit, dass man zwei Räume im Spritzenhause an der Lehmtorstraße bereitstellte. Sie lagen an der Rückseite des Gebäudes zum Judenhagen hin zu ebener Erde, hatten den Eingang von der Seite und waren durch eine Zwischentür miteinander verbunden. Der Fußboden war zementiert. Das Inventar bildeten einige ausrangierte Viersitzerbänke aus der Volksschule, eine Tafel nebst Stuhl und Tisch für den Lehrer. Eine Behelfstoilette aus Brettern in landesüblicher Weise erstellte man in respektvollem Abstand vom Schulgebäude. Pausenhof war der Judenhagen auf den Wällen der ehemals befestigten Stadt Borgentreich. Bei der Werbung für die aufzunehmenden Sextaner hatte man besondere Maßstäbe angelegt. Kein Schüler aus dem vierten Schuljahr, wie es heute die Regel ist, wurde aufgenommen. Nur diejenigen, die die fünfte Volksschulklasse zu absolvieren hatten, durften anfangen. Da diese Zahl aber zu klein war, nahm man auch noch Schüler aus dem 6. und 7. Schuljahr auf. Die ersten auswärtigen Schüler der Sexta kamen aus Bühne, Eissen und Körbecke. Öffentliche Verkehrsmittel gab es noch nicht. Am ersten Schultage kamen die Schüler aus Eissen mit dein Einspännerwagen zur Schule. Bald darauf aber fuhr man mit dem Fahrrad zur Schule. Die Leitung der jungen Schule hatte Dr. Hoischen übernommen Der schon erwähnte Herr Hugenpoth stand ihm zur Seite nebenamtlich erteilte den Religionsunterricht Kaplan Michels, den Musikunterricht erteilte Lehrer Evers in der Volksschule. Sportplatz war der nahe Lehmberg, die Turnstunden und Leibesübungen leitete Herr Hugenpoth Die Qualität des Unterrichts ließ jedoch nichts zu wünschen übrig. Er war straff aufgezogen und gut vorbereitet. Bei den kleine Klassen war eine erfolgreiche Kontrolle gewährleistet. Von diesem ,,Wissensspeck" konnten wir noch später auf dem Gymnasium zehren und standen dortigen Schülern keineswegs nach. Zum Unterricht des Vormittags kam ein Silentium am Nachmittag. Dann durfte man sich nicht auf der Straße blicken lassen, weil man ja mit einer Kontrolle rechnen musste. Später wurde das Silentium für die Einheimischen in der Schule abgehalten.
Die Übergabe des Gebäudes im Namen der Stadt erfolgte durch Bürgermeister Kukuk. Dr. Hoischen dankte im Namen der Schule. Am Ende des Schuljahres wurde die Untertertia entlassen. 4 Schüler gingen zum Gymnasium nach Warburg. 3 davon bestanden dort die Reifeprüfung. Das 2. Schuljahr, 1921/1922, begann mit den beiden Klassen Sexta und Quinta. War die Schule bisher eine ausgesprochene Jungenschule gewesen, so wurden jetzt auch Mädchen in die neue Sexta aufgenommen. Die Schülerzahl sollte an der Basis erweitert werden. Auch den Mädchen konnten so neue Wege ins Berufsleben erschlossen werden. Heute sehen wir das als selbst verständlich an. Seitdem vollzog sich der Aufbau planmäßig, d.h. 1922/1923 wurde die Schule dreiklassig. 1923/1924 hatte sie vier Klassen, und 1924/1925 waren es fünf Klassen. Damit war das erstrebte Ziel erreicht. Mit dem Aufbau der Schule erfolgte der weitere Ausbau des Schulgebäudes. Waren anfangs nur im Erdgeschoss Klassenräume ein Lehrerzimmer und Toiletten vorhanden, richtete man im ersten Stockwerk weitere Klassenräume und 1920 ein Lehrmittelzimmer ein. Das Problem des Lehrermangels gab es nicht. Studienassessoren waren genug da. So unterrichteten bald auch die Herren Sachse, Grewe, Temme und Meier. Die Stürme der Inflation überstand man. Kaum warensie 1923 überwunden traf zu Beginn des Jahres 1924 (kurz, vor Ende des Schuljahres) die Schule ein harter Schlag. Am Sonntag dem 10 Februar 1924 starb nach längerem schmerzvollen Leiden infolge einer Nierenentzündung Dr. Gerhard Hoischen der Leiter der Höheren Stadtschule, im Alter von 27 Jahren. In einer würdigen Trauerfeier die von Liedern der Schüler umrahmt wurde, fand die Einsegnung statt. Der Sarg wurde sodann zum Geburtsort des Verstorbenen nach Hellinghausen bei Lippstadt überfuhrt, wo die Beisetzung erfolgte. Damit war die Frage der Schulleitung akut. Es bewarben sich aus dem Kollegium der seit Gründung der Schule tätige Mittelschullehrer Franz Hugenpoth und der später eingetretene Studienassessor Hieronymus Sachse. Gewählt wurde Herr Hugenpoth Darauf verließ Herr Sachse die Schule und übernahm die Schulleitung der höheren Stadtschule Driburg. Beim Eintritt in das Schuljahr 1924/1925 war die erste Obertertia etwa auf ein Drittel der Sextanerzahl von 1920 zusammengeschmolzen. Wir waren noch 7 Jungen. Das bedeutete für uns eine sehr intensive Beanspruchung und eine fast lückenlose Beaufsichtigung. Nun ist Leistungskontrolle ja bekanntlich auch Leistungssteigerung. Die Höhere Stadtschule Borgentreich war amtlich der Regierung in Minden unterstellt wurde aber schultechnisch vom derzeitigen Gymnasialdirektor des Städtischen Gymnasiums Warburg (damals Geheimrat Wirmer) betreut. Er besichtigte den Unterricht im Laufe des Jahres und nahm seit 1925 die Abschlussprüfung der Obertertia ab. die somit von allen höheren Vollanstalten anerkannt wurde. Nach dem ersten Schicksalsschlag im Jahre 1924 (plötzlicher Tod des Schulleiters Dr. Hoischen) kam eine neue Gefahr auf die Schule zu. Es ging sogar um die Existenz. Was war geschehen? Dem erfolgversprechenden Aufstieg mit steigender Schülerzahl folgte 1926 ein jäher Rückschlag an fast allen weiterführenden Schulen. Jetzt standen nämlich die sogenannten .Kriegsjahrgänge zum Übergang an, die sehr schwach waren. 1926 waren es die 1915 geborenen Kinder, 1927 die 1916 geborenen. Die inzwischen nach der Inflation wieder stabil gewordene Mark war knapp. Man lebte sparsam. Auch Schulgeld konnte ja gespart werden. Kinder waren außerdem Arbeitskräfte im Haushalt, vor allem in der Landwirtschaft An ein Kinderarbeitsverbot. wie es heute besteht, war nicht zu denken. So meldete man eben die Schüler/innen ab. Wie sollte man so etwas aber den Ratsherren in Borgentreich klarmachen? An dieser Stelle konnte man ja sparen! Nur der damalige Leiter Dr. Hoischen war fest angestellt gewesen. Man war nicht mehr gebunden nach dessen Tod. Auch brauchte man keine Beiträge mehr an die Landesmittelschulkasse zu zahlen. Durch den Beschluss des Stadtverordnetenkollegiums vom 8. Januar wurde es unmöglich gemacht. dass die Stadt im neuen Schuljahr Unterhaltsträger der Realschule blieb. Jetzt waren die Würfel gefallen. Das Schicksal der Schule aber war nicht besiegelt. Auf Vorschlag des Schulleiters gründete man sofort die Rektoratschulgenossenschaft Borgentreich e.G.m.b.H. welche vom 01. April an Unterhaltsträger der Realschule wurde Die Existenz der Schule war damit gesichert Im Unterrichtsbetrieb traten keine Veränderungen ein. Doch war die Schule nun auch ein Wirtschaftsbetrieb geworden Den entsprechenden Anforderungen war Herr Hugenpoth aber in jeder Weise gewachsen. Es gelang ihm. die Schule mit Umsicht durch die nächsten Jahre zu steuern. Nach dem Fortgang der Herren Sachse und Grewe verließen auch andere Lehrkräfte die Schule. Herr Temme kam am 01. April 1920 nach Beverungen Herr Studienassessor Meier fand im Gymnasium der Jesuiten in Büren eine neue Stelle. Mit einer festen Anstellung in Borgentreich konnte ja niemand rechnen So kamen Volksschullehrer an die Realschule Sie standen auf der Warteliste für die Volksschulen. Bereits 1924 erteilte Herr Heinrich Stoppelkamp aus Daseburg ein Bruder von Frau Hugenpoth. den Physikunterricht. Später traten Fräulein Maria Conze aus Borgentreich (Windmühle) Fräulein Justine Thüner und Fräulein Kriener, ferner der Lehrer Joseph Grone aus Bühne in das Lehrerkollegium ein. Die ersten Abiturienten aus der Untertertia des Schuljahres 1920/192 1 erlangten Ostern 1926 das Reifezeugnis in Warburg. Es waren Heinrich Ernst und Meinolf Scholle aus Lütgeneder. Aus der Sexta der Anfangsklasse 1920/1921 erreichten das Abitur Ostern 1929 Otto von Detten aus Borgholz, Paul Jürgens aus Körbecke, Johannes Hillebrand und Richard Dohmann aus Borgentreich. In den folgenden Jahren finden sich laufend ehemalige Schüler der Rektoratschule Borgentreich unter den Abiturienten des Gymnasiums Marianun in Warburg. Nach einem sechssemestrigen Universitätsstudium an den Universitäten Köln und Graz legte der Verfasser dieses Beitrags 1932 das Mittelschullehrerexamen in Köln ab und unterrichtete vom l. Oktober 1932 bis zum 3 März 1933 ,."ehrenamtlich". d.h. ohne Vergütung. an der Rektoratschule seines Heimatortes Borgentreich. Seit Oktober 1933 unterrichtete ich an einer privaten Volksschule in Grünhoff (Pommern). Dort blieb ich bis Ostern 1936. Kurz vorher hatte nur Herr Hugenpoth eine Stelle an seiner Schule in Borgentreich angeboten. So trat ich Ostern 1936 diese Stelle an. Waren in den Anfangsjahren der ,,Höheren Stadtschule hauptsächlich Studienassessoren tätig gewesen, in den folgenden Jahren Volksschullehrer. die aber inzwischen zum Dienst an den öffentlichen Volksschulen einberufen wurden (sie standen ja auf der Bewerberliste), so kamen jetzt vor allem sogenannte akademische Mittelschullehrer, die nach bestandenem Abitur und einem mindestens sechssemestrigen Universitätsstudium ihre Prüfung abgelegt hatten. Bald wurde die Rektoratschule in Borgentreich wie alle Schulen dieser Art durch die neue Schulreform vor eine wichtige Entscheidung gestellt. Sollte sie eine Art Progymnasium werden mit den Klassen 1 - 5 oder grundständige Mittelschule mit den Klassen 1 - 6? Die meisten Gymnasien mit neunjähriger Schulzeit wurden in Deutsche Oberschulen mit achtjähriger Schulzeit umgewandelt, auch das Gymnasium in Warburg. Von den bisherigen Rektoratschulen entschlossen sich nur Brakel und Driburg für den Unterbau der Deutschen Oberschule. Alle anderen: Beverungen, Borgentreich. Höxter mit seiner Mädchenschule, Nieheim. Peckelsheim und Steinheim erklärten sich für die grundständige Mittelschule. Sie gingen von der Tatsache aus, dass der überwiegende Teil (manchmal bis 80%) nur die sogenannte ,,Mittlere Reife' anstrebte bzw. dafür geeignet war. Warum sollte man dafür so teure Lehrkräfte (Studienräte) beschäftigen'? Diese Entscheidung wurde den bisherigen Rektoratschulen dadurch erleichtert, dass man Vorkehrungen für den Übergang zur Oberschule gestattete. Mittelschulen und Oberschulen begannen beide mit Englisch. Durch zusätzlichen Unterricht in Latein bei der 3. und 4. Klasse wir der Übergang gegeben. Alle anderen Schüler/innen konnten jetzt auf der bisherigen Schule das sog.,, Einjährige" erreichen. Inzwischen hatte das Schuljahr ein anderes Gesicht bekommen. Immer wieder störten Feiertage und Gedenktage. Der totale Staat wollte mit seinem Festkalender ein neues Gemeinschaftsleben prägen. Da waren: der 30. Januar, der 13. März, der 20. April, der 01. Mai, der 09. November. Der Staatsjugendtag, der unterrichtsfreie Tag in der Woche von 1934 bis 1936. kürzte erheblich den Unterricht. Die Hitlerjugend hatte ihr eigenes Programm und nahm Jungen wie Mädchen erheblich in Anspruch. Später wurde die Schule durch das Sammeln von Heilkräutern und Altmaterial, das Ausfüllen von Sammellisten und der Versand stark belastet. Eine bange Frage war zu Beginn des Schuljahres immer die Schülerzahl Man konnte die Dinge nicht treiben lassen sondern musste intensiv werben Sogar ein Kundendienst wurde eingeführt zumal Schüler/innen aus Borgholz und Dalhausen auch nach Beverungen tendierten Der Rektorratschulverein kaufte einen größeren PKW. Herr Hugenpoth und Herr Hillebrand erwarben den Führerschein und holten vor Unterrichtsbeginn abwechselnd die Schüler, ab und brachten sie am Mittag zurück. Als dann halb Borgentreich durch einen Hagel von Phosphorgranaten in ein Flammenmeer verwandelt wurde und die stolzen Giebel der Bauernhäuser in einem grausigen Inferno nieder brannten war jedoch das Steinerne Haus das ja alle Kriege und großen Stadtbrände schon überstanden hatte stehen geblieben Dieser Umstand bot die Möglichkeit die Mittelschule wieder zu öffnen und sie als Realschule in neue Räume und eine neue Zeit zu führen
Mit Datum vom 22.02.1945 verzeichnet das Protokollbuch die letzte Klassenkonferenz vor dem Kriegsende. Bemerkenswert ist die Eintragung, dass sich der Prüfung, die damals zum Ostertermin stattfinden sollte, nur 9 Schüler unterziehen wollten. Dagegen heißt es, 8 Schüler der Klasse 6 können an der Prüfung nicht teilnehmen, da sie bei der Wehrmacht oder bei der HJ im Einsatz stehen. Diese Eintragung ist ein Spiegelbild der damaligen Jugend in Deutschland kurz vor Kriegsende ganz allgemein. Wie sehr das schulische Leben von den Alltagssorgen damals geprägt wurde, beweisen die ständig wiederholten Aufforderungen zum Sammeln von Heilkräutern, Ähren, zum Sägen von Brennholz für die Schule und zu Kartoffelkäferaktionen.
Anfang April 1945 kam der Zusammenbruch; Borgentreich wurde in den Ostertagen 1945 nach starker Zerstörung besetzt, und in den Wirren der damaligen Tage wurde die Schule geschlossen. Fast alle Schulunterlagen gingen verloren. Die erste neue Eintragung im Protokollbuch datiert vom 03. Mai 1947, also zwei Jahre später. In der Zeit von Februar 1945 bis Mai 1947 war Herr Otto Nitsche, aus Posen geflüchtet, nach Warburg versetzt worden, wirkte als Dozent im "Sonderlehrgang zur Ausbildung von Volksschullehrern" und hatte aus dieser Position heraus als ehemaliger Mittelschulrektor Kontakt mit den Mitgliedern des früheren Mittelschul-Zweckverbandes und mit der Verwaltung aufgenommen, um die 1945 geschlossene Mittelschule neu ins Leben zu rufen. In zähen Verhandlungen gelang es ihm schließlich, die Zustimmung der Verwaltung und der Bevölkerung zur Neugründung eines Mittelschul-Zweckverbandes zu gewinnen. Zahlreiche persönliche Besuche und Gespräche waren vor diesem schulpolitischen Neubeginn notwendig gewesen.
Am 03.05.1947 fand die erste Konferenz im "Steinernen Haus" statt, wo die neugegründete Mittelschule untergebracht war. 106 Schüler und Schülerinnen wurden von 4 Lehrkräften in 6 Klassen unterrichtet. In den folgenden Jahren stieg die Schülerzahl kontinuierlich an. Es wurden inzwischen 169 Schüler und Schülerinnen unterrichtet, wobei etwa doppelt soviel Jungen wie Mädchen (112/57) die Schule besuchten. In der Zwischenzeit hatte die Realschule, bedingt durch steigende Schülerzahlen, die alten Schulräume im "Steinernen Haus" verlassen und war nach einem Umbau und einer Erweiterung im Februar 1952 in das Gebäude der Stadtkasse an der Borgholzer Straße gegenüber der Gaststätte Ellermann eingezogen.
Bei einem "Tag der offenen Tür" bekundete die Bevölkerung nicht nur aus dem Bereich des Realschulzweckverbandes, sondern auch besonders des Südkreises ihr lebhaftes Interesse an dem gelungenen Schulbau, der in drei Klassentrakten 9 Klassenräume sowie die entsprechenden Sonderräume nebst dem Verwaltungstrakt beherbergte. Besonders aber die Aula sollte schon bald als "gute Stube" Borgentreichs für zahlreiche schulische und außerschulische Veranstaltungen genutzt werden. Inzwischen war die Schule mit 288 Schülern voll zweizügig geworden, so dass mit dem Einzug in das neue Schulgebäude die Sonderräume gleich als Klassenräume mitbenutzt werden mussten.
In der Schulleitung gab es in den Nachkriegsjahren nur wenig Wechsel. Mit Ende des Schuljahres am 21. März 1955 schied durch Pensionierung Herr Nitsche, der seit 1947 die Schule geleitet hatte, aus dem Schuldienst aus. Zu seinem Nachfolger wurde Herr Stoffels als neuer Realschuldirektor eingeführt. Mit Wirkung vom 01. September 1962 wurde der Realschuldirektor Hans Stoffels als Dezernent in die Schulaufsicht beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf berufen. Die Schulleitung übernahm zu diesem Zeitpunkt der Berichterstatter, der nach einem tödlichen Unfall der Direktorstellvertreterin Magdalene Alker am 5. März. 1962 zum Stellvertreter gewählt worden war. Die beiden ländlichen Realschulen im damaligen Altkreis Warburg. nämlich die Realschulen in Borgentreich und in Peckelsheim, erfreuten sich regen Zuspruchs wobei sich der Einzugsbereich der Realschule Borgentreich über den Borgentreicher Amtsbezirk hinaus vorwiegend auf die Stadt Warburg und den Südkreis erstreckte. So wurden Ende der sechziger Jahre allein 115 Schüler und Schülerinnen aus der Stadt Warburg in Borgentreich unterrichtet. Diese Zahl sank nach dem Neubau der Realschule Warburg erheblich, wodurch vorübergehend auch die Gesamtschülerzahl abfiel Weitere Änderungen in der Zusammensetzung der Schülerschaft ergaben sich im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975, als die Gemeinde Daseburg aus dem Amtsverband ausschied und in die Stadt Warburg eingemeindet wurde. Im Zuge dieser Neugliederung wurde Großeneder Ortsteil der Stadt Borgentreich. Die Schüler aus Großeneder besuchten infolge dieser Maßnahme nicht mehr die Realschule Peckelsheim. sondern wurden in Borgentreich, angemeldet Als weitere Folge der kommunalen Neugliederung wurde der Realschulzweckverband aufgelöst und die Stadt Borgentreich übernahm als, Schulträger unter anderem auch die Realschule. Neben diesen äußeren Bedingungen verdient der Aufgabenbereich einer ländlichen Realschule Erwähnung. Die hiesige Realschule, früher Mittelschule war von Anfang anals Koedukationsanstalt, angelegt, wenngleich bis in die siebziger Jahre der Anteil der Jungen großer als der der Mädchen war Erst in den letzten Jahren änderte sich die Zusammensetzung der Schülerschaft
Herr Clemens Wille unterrichtete seit 1958 an der Realschule Borgentreich. Vom Jahre 1962 an bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1986 leitete er unter großem Einsatz diese Schule. Am 14. März 1994 verstarb Herr Wille im Alter von 72 Jahren.
Die Feier des 75 jährigen Bestehens der Realschule Borgentreich bietet einen willkommenen Anlass, die von Richard Dohmann und Clemens Wille begonnene Chronik der Realschule zu ergänzen. Die Ausführung von Clemens Wille schließt am Ende der siebziger Jahre mit der Feststellung, dass die Akzeptanz der Realschule Borgentreich sehr zufriedenstellend ausfällt. Das drückt sich sowohl in der ansteigenden Schülerzahl als auch nie den hohen Stellenwert aus, den diese Schule im Einzugsbereich einnimmt. Die Realschule hat sich zu diesem Zeitpunkt als Schule etabliert die eine realistische und zeitnahe Grundbildung vermittelt. Um ihre Attraktivität zu erhalten und zu steigern, wurde die ,,Schulform Realschule" in den folgenden Jahren auch in ihrer inneren Struktur verändert. Durch eine stärkere Differenzierung wollte man sich der verfeinerten technisierten Umwelt stellen, das kam auch den vorwiegend praktisch veranlagten Schülerinnen und Schülern zugute. Ferner wurden die Übergänge zu anderen Schulformen durchlässiger gemacht. Eine Erprobungsstufe mit Versetzungsentscheidung erst am Ende der Klasse sechs führt seitdem über eine differenzierungsvorbereitende Mittelstufe nur der Wahl zwischen Französisch und Sozialwissenschaften zur volldifferenzierten Oberstufe. Hier können in der Klasse neun die drei Schwerpunkte Fremdsprachen, Naturwissenschaften oder Sozialwissenschaften gewählt werden. Dieses z.Zt. bewährte Grundmodell wird durch Wahlpflichtfächer und freiwillige Arbeitsgemeinschaften ergänzt. Dazu kommt in der Klasse neun ein dreiwöchiges Schülerbetriebspraktikum mit dein Ziel, die Berufs- und Arbeitswelt kennen zu lernen und die eigene Berufswahl zu erleichtern. In Anlehnung an die Arbeitswelt, in der auch viele Eltern in den Betrieben die Fünf-Tage-Woche als selbstverständlich ansehen. begann die Realschule Borgentreich im Jahre 1981 mit dem Versuch eines solchen Modells mit zwei freien Samstagen im Monat. Die generelle Fünf-Tage-Woche wird ab dem Schuljahr 1992/93 praktiziert.
Ab dem Schuljahr 1983/84 sank die Schülerzahl wieder wie es auch nicht anders zu erwarten war. Die Daseburger Schüler/innen hatten den Schulabschluss erreicht, neue kamen nicht hinzu Ferner wurden jährlich mehr Schüler entlassen als durch Neuzugang hinzukamen Dabei wirkten sich einerseits geburtenschwache Jahrgänge aus andererseits zeigte sich immer mehr die Neigung vieler Eltern, ihr Kind aufs Gymnasium schicken der Prozentsatz eitles Jahrgangs wuchs stetig zu Gunsten der Gymnasien. Die Werbung für das Gymnasium trug ihre Früchte, wenngleich auch der Übergang von der Realschule mit der Fachoberschulreife und dem Qualifikationsvermerk problemlos möglich wurde. Die Konkurrenz aller weiterführenden Schulen untereinander führte dazu dass man durch ,,Tage der offenen Tür" und andere Aktivitäten für die eigene Schule wirbt, doch setzt schon die Zahl der zur Verfügung stehenden Grundschulkinder eine Grenze. So war es klar, dass sich auch die Realschule Borgentreich in den letzten 10 Jahren auf sinkende Anmeldezahlen einstellen musste Bei der Neuaufnahme im Jahre 1992/93 reichte die Zahl nicht aus um zwei Klassen bilden zu können. Da zeigte sich der enge Rahmen, der in einer kleinen Stadt gesetzt ist. Es besteht aber Hoffnung, dass der Tiefstand überrunden ist, denn die politischen Verhältnisse in Deutschland seit 1989 haben auch in der Stadt Borgentreich bevölkerungsbedingt Veränderungen ergeben. Durch Zuzug von Über- und Aussiedlern konnten auch die Grundschulen wieder mehr Kinder aufnahmen, so dass im Sommer 1994 die Grundschule Borgentreich durch einen Anbau vergrößert werden musste. Der Übergang von Aussiedlerkindern zur Realschule hat sich in den letzten Jahren positiv bemerkbar gemacht Grund zum Optimismus bietet auch die Zahl der Anmeldungen für das kommende Schuljahr (1994/1995). Mit zwei normal großen Klassen (insgesamt 50 Schüler) wird der Abgang der Klassen 10 mehr als ausgeglichen sein. Zu einer Schulgemeinde gehören aber nicht nur Schüler. sondern auch die Lehrpersonen und eine umsichtige Schulleitung. Nach dem Ausscheiden von Konrektor Wilhelm Brink im Jahre 1982 wurde Herr Dr. Ludwig Knoke in dieses Amt gewählt. Im Sommer 1986, als Herr Clemens Wille als Schulleiter ausschied, übernahm Dr.Knoke die Leiterstelle, und Herr Günter Seehase wurde sein Stellvertreter. Wenn es auch nicht möglich ist, in diesem Zusammenhang alle übrigen personellen Veränderungen aufzuzählen, so sollen doch wenigstens zwei Kollegen erwähnt werden, die über die Schule hinaus auch in der Stadt Borgentreich sehr bekannt waren, nämlich Herr Paul Eschenlohr und Herr Armin Obst. Herr Eschenlohr unterrichtete an der Realschule seit 1964, ging schwer erkrankt im Sommer 1987 in Pension und verstarb am 24. Juni 1992. Herr Obst setzte sich über seine einsatzfreudige Tätigkeit als Lehrer hinaus auch in der Stadt Borgentreich in kirchlichen und gesellschaftlichen Bereichen voll ein, so dass sein plötzlicher Tod am 25.Jnli 1988 in Borgentreich Trauer und Anteilnahme hervorrief Nach den Sommerferien des Jahres 1988 übernahm Herr Dr.Knoke das Amt des Schulleiters in Beverungen. Als Nachfolger wurde Herr Heinz Niggemeyer aus Ossendorf vom Rat gewählt. im Herbst nahm er in Borgentreich seine Tätigkeit auf. Krankheitsbedingt ließ sich Herr Niggemeyer Ende des Schuljahres 1994 pensionieren, und Herr Hans-Josef Vieth wurde zu Beginn des neuen Schuljahres in das Schulleiteramt eingeführt. wobei er zum Ausdruck brachte, die Aufgabe möglichst lange engagiert zu erfüllen. Ein Teil des Einsatzes wird sich in Zukunft verstärkt auf die Sanierung des Schulgebäudes richten müssen. Denn das jetzige dreißig Jahre alte Gebäude weist besonders wegen der Flachdachbauweise inzwischen viele Mängel auf einzelne Deckenbereiche sind undicht Fassadenflächen werden durch Feuchtigkeit angegriffen und die großen Glasflächen bilden sicherheitstechnische bzw. wärmetechnische Problemzonen. Um eine grundlegende Sanierung wird man nicht herumkommen. Da werden riesige Summen über einen längeren Zeitraum hin investiert werden müssen. Mit der Sanierung von Dachbereichen soll noch in diesem Jahre begonnen werden. Dabei hat die Stadt Borgentreich in den vergangenen Jahren schon erhebliche Mittel eingesetzt um die Realschule im Rahmen des Möglichen attraktiv zu erhalten. In den Jahren l984 - 1986 wurde in Zusammenarbeit mit der Hauptschule zwischen Schwimmhalle und Realschule ein Schulgarten angelegt. Größere Ausmaße nahm die Umgestaltung des gesamten Obergeschosses mit den naturwissenschaftlichen Fachräumen an. Zunächst wurde im Jahre 1988 aus dem ehemaligen Biologieraum ein kombinierter Biologie/(Chemieraum gestaltet. Installation und Einrichtungen für beide Fachbereiche wurden komplett erneuert. Erhebliche Summen wurden auch für die Neuanschaffung und Ergänzung der Lehr- und Übungsmittel bereitgestellt In einem zweiten Bauabschnitt entstand im Jahre 1991 ein ganz neu eingerichteter Computerraum der den alten Physikraum verdrängte dessen Funktion in den alten Chemieraum verlegt wurde Auch hier flossen erhebliche Mittel der Stadt und des Landes für die neue Gestaltung des Raumes und die Ergänzung der Übungsmaterialien Die Ausstattung des Computerraumes mit Arbeitsgeräten geht größtenteils auf die Spenden mehrerer Förderer zurück. Zu nennen sind hier u.a. die heimischen Banken die Volkshochschule und nicht zuletzt die Eltern unserer Schüler/innen die durch die Elternspende die Einrichtung mehrerer Arbeitsplätze ermöglicht haben Überhaupt hat sich die Zusammenarbeit mit den Eltern in den letzten Jahren in der Elternpflegschaft und der Schulkonferenz verstärkt. Auch dadurch wächst die Chance, dass in Zusammenarbeit mit einem engagierten Lehrerkollegium einer zur Mitarbeit bereiten Elternschaft und dem Wohlwollen der städtischen Verwaltung die Realschule Borgentreich in eine gesicherte Zukunft geht.
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